Gesunde Grenzen setzen für Erdenengel

von | 01.12.2020 | Allgemein

Lieber Erdenengel,

heute Morgen wollte meine Tochter zwischen Tür und Angel ein Thema mit mir besprechen, doch ich war gerade beim Essen und wollte das in Ruhe weiter tun. Also sagte ich Nein.

Eine Kundin bat um dringenden Rückruf, doch ich war selbst in Eile, also habe ich nicht sofort angerufen, sondern erst meine eigenen Dinge fertig gemacht.

Andere warten zu lassen, wäre früher undenkbar für mich gewesen. Doch zum Glück habe ich da in den letzten Jahren einiges dazu gelernt. Aber der Reihe nach.

Nein sagen und Grenzen setzen

Nein sagen und Grenzen setzen, konnte ich viele Jahre lang nicht besonders gut. Das ist leider total typisch für Erdenengel. Oft habe ich die Bedürfnisse aller anderen über meine eigenen gestellt. Und nicht nur das, häufig habe ich für die anderen mitgedacht oder sogar vorausgedacht und mich um die Dinge gekümmert, die sie sonst vielleicht vergessen hätten.

Wozu hat das geführt? Klar. Da ja alle wussten, ich würde schon dran denken, habe ich mir immer mehr Arbeit aufgehalst und die anderen haben sich immer mehr entspannt.

Angelika wird’s schon machen.

Angelika hat bestimmt daran gedacht.

Angelika findet ganz sicher eine Lösung.

Doch eines Tages war Schluss.

Nicht gleich beim ersten Burnout, auch nicht beim zweiten. Aber nach dem ich mein System durch diese Muster zum dritten Mal in die volle Erschöpfung gefahren hatte, bin ich endlich aufgewacht und habe begonnen, Nein zu sagen. Und aufzuhören, immer und überall für alle anderen mitzudenken.

Das kennst Du auch

Erdenengel neigen dazu, immer und überall für andere da zu sein und sich selbst dabei zu vergessen. Das kennst Du auch, stimmts?

  • Wo sagst Du Ja, obwohl Du lieber Nein sagen würdest?
  • In welchen Situationen kümmerst Du Dich mehr um andere als um Dich selbst?
  • Und wo sogar, ohne dass die anderen Dich darum gebeten haben?

Wie würde es sich anfühlen, stattdessen Dich selbst an die erste Stelle Deines Lebens zu setzen? Das heißt, jederzeit gut für Dich und (wenn Du das dann immer noch willst) erst dann gut für andere zu sorgen?

Viele Jahre war ich rund um die Uhr für alle da. Inzwischen gibt es Tage, da schalte ich den Ton von meinem Telefon aus. Und an manchen Tagen klingelt es und ich gehe nicht ran.

Das erlaube ich mir heute. Heute schütze ich meinen Raum und setze mich immer öfter an die erste Stelle meines Lebens.

Ich bin darin noch nicht perfekt und ab und zu gibt es auch Rückfälle. Aber ich bin auf einem sehr guten Weg und schon zweihundert Prozent freundlicher zu mir selbst als früher.

Grenzen setzen lernen

Nein sagen zu anderen, bedeutet Ja sagen zu Dir selbst. Uff, wo Erdenengel doch auf diese Welt gekommen sind, um für andere da zu sein. Wie soll das gehen?

Indem sie gut für sich sorgen und damit ein Vorbild für andere sind, das ebenfalls zu tun. Denn das ist ihre wahre Aufgabe (oder zumindest eine ganz wichtige davon).

Und sind solche Erdenengel ein Vorbild, die sich permanent verausgaben? Für andere halb tot schuften? Alles mit sich machen lassen? (Öhm, nur um sicher zu gehen, das sind alles rhetorische Fragen…).

Warum Erdenengeln das Grenzen setzen so schwer fällt

1. Erdenengel sind auf die Welt gekommen, um zu helfen. Um zu helfen, die Schwingung der Erde anzuheben und für alle Bewohner und den Planeten Erde selbst da zu sein.

In der geistigen Welt ist die Energie der Erdenengel unerschöpflich. Von dort aus können wir geben ohne Unterlass und ohne dabei leer zu laufen.

Auf der Erde nicht. Hier sind wir in der materiellen 3-D-Welt und darin müssen wir unsere Energie immer wieder auftanken. Zum Beispiel mit Dingen, die uns gut tun. Das geht nur mit Grenzen setzen. Und das kennen wir nicht. Das dürfen und sollen wir lernen.

2. Erdenengel wollen geben und lieben das Gefühl, gebraucht zu werden. Darin ist an sich auch nichts Schlimmes. Doch für manche Erdenengel ist das regelrecht zur Sucht geworden.

Und Du weißt ja vielleicht, wie das so ist mit Süchten (ist auch ein Thema, mit dem viele Erdenengel sich gut auskennen…). Eine Weile sind sie vielleicht ganz schön, doch irgendwann gewinnen sie die Oberhand. Und das ist meist nicht besonders gesund.

Das gilt für die Schokolade, genauso wie für den Wein am Abend oder eben die Selbstaufgabe für andere.

3. Weil Erdenengel sich als Kinder oft anders und dadurch unsicher oder allein gefühlt haben, haben viele ein Verlangen entwickelt, dazu zu gehören und auf keinen Fall ausgeschlossen zu werden.

Darum schreien wir oft „hier“, wenn es um Dinge geht, die sonst keiner tun will. Das gilt fürs Protokoll auf dem Elternabend genauso, wie für die Organisation der nächsten Betriebsfeier (obwohl der eigene Schreibtisch bereits Rand voll mit Arbeit ist).

Und ansonsten gilt, was für viele andere auch gilt: Wer nicht Nein sagen kann, möchte gemocht werden, gebraucht werden, sucht Bestätigung, will sich wichtig fühlen, will niemanden verletzten, nicht egoistisch wirken oder gleichgültig und will vor allem ein harmonisches Miteinander.

Doch wer das tut, gibt anderen mehr Priorität als sich selbst.

Das ist typisch für Erdenengel und gleichzeitig der entscheidende Hebel, um das automatische Ja-Sagen ein für alle Mal zu beenden.

Gesunde Grenzen setzen

Wie kannst Du es schaffen, gut für Dich zu sorgen und Grenzen zu setzen, ohne Dich schuldig, schlecht, nicht in Ordnung zu fühlen? Das ist die 1-Millionen-Euro-Frage.

Deine Grenzen zu setzen heißt, Zeit, Raum, Deinen eigenen Körper und Deine eigene Kraft FÜR DICH zu beanspruchen. Und das geht so:

1. Du wirst Dir klar darüber, was Du wirklich wirklich willst und brauchst – und das unabhängig davon, was andere von Dir wollen und erwarten

Willst Du wirklich jeden Abend für Deine Familie kochen? Oder ist das eine inzwischen antiquierte Vorstellung aus alten romantischen Zeit und Deine Kinder sind längst alt genug, um auch mal Hand in der Küche anzulegen?

Und musst Du tatsächlich jeden Tag (oder jeden zweiten oder dritten oder…) Yoga machen/meditieren/zuckerfrei essen/ein kluges Buch lesen? Oder hast Du Dir da etwas vorgenommen, was für Deinen stressigen Alltag viel zu viel ist (und zwei Mal pro Woche reichen Dir eigentlich auch)?

Also, mach Dir bewusst, was Du wirklich willst und brauchst. Und was Du – bisher – nur getan hast, um es anderen, Deinen Eltern, Deinen eigenen erlernten Erwartungen Recht zu machen.

2. Kommuniziere das nett, aber glasklar

Erdenengel (und gute Mädchen, die in den Himmel kommen wollen) neigen dazu, ihre Grenzen eher verschwurbelt zu formulieren, á la, „Es wäre schön, wenn eventuell ab und zu auch mal einer von Euch kochen könnte, wenn es für Euch okay ist, so dass ich nicht mehr jeden Abend kochen muss. Aber nur, wenn es wirklich für Euch passt.“ What?

Klar heißt: „Mir ist bewusst geworden, dass ich einen alten Muster gefolgt bin und immer noch jeden Tag für alle koche, obwohl ich weiß, dass Ihr das gar nicht immer wollt und braucht. Ab sofort bleibt die Küche Montags- und Mittwochsabends kalt. Da habe ich einen xyz für mich gebucht und stehe nicht mehr zur Verfügung. Wer da etwas Warmes essen möchte, kann gerne selbst kochen.“

Und, nein, Du wirst für diese Tage dann auch nicht vorkochen…

Andere müssen wissen, dass Du es ernst meinst. Besonders, wenn Du etwas ändern willst, dass schon seit vielen Jahren auf Deine Kosten gegangen ist. Du kannst das lernen! Ich glaube an Dich!

3. Du hast immer die Wahl

Mach Dir immer wieder klar, dass Du die Wahl hast. Du bist nicht dazu verdammt, Dein Leben lang Ja zu sagen, wenn Du „eigentlich“ Nein sagen willst.

DU HAST DIE WAHL.

Klar, Nein sagen hat seinen Preis. Es kann sein, dass das am Anfang ein bisschen weh tut. Dass Dich für einen Moment jemand ablehnt. Dir Vorwürfe macht. Versucht, Dir Schuldgefühle zu machen.

Aber, he, das ist ja die Sache des anderen. Du musst da nicht mehr mitspielen. Sag nett, wozu Du nicht bereit bist, aber sag es. Sag es. Sag es. Sag es. So oft es nötig ist.

„Schatz, kannst Du nicht doch ausnahmsweise heute Abend (es ist Montag) noch mal kochen? Ich hatte so einen harten Tag und Deine Kartoffelsuppe tut mir immer so gut…“.

„Ich bedauere, dass Du so einen harten Tag hattest und verstehe, dass Du jetzt gerne hättest, dass ich koche. Doch es ist Montag und ich habe heute xyz. Darum geht das leider nicht. Ich koche Dir die Suppe gerne morgen.“

Klar soweit? Dann stell Dir mal für einen Moment vor, Du setzt so viel Energie für Dein eigenes Wohlbefinden ein, wie Du es bisher für das Wohlbefinden anderer getan hast… Cool, oder?

Lass es Dir super gut gehen!

Alles Liebe

Deine Angelika

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